: Alexander Egger wünscht sich schon länger den Aufstieg auf der Wiesn. Als Betreiber der Münchner Stubn, einem der kleinen Zelte auf dem Oktoberfest, bewirbt er sich immer wieder auf eines der großen Zelte auf der Wiesn und Oidn Wiesn. Bislang ist er mit diesen Bewerbungen immer gescheitert, so auch dieses Jahr. Nun greift er in die juritsiche Schublade: Er lässt das Vergabeverfahren - insbesondere für das Paulaner- und Schottenhamel-Zelt - prüfen. Genau gesagt wurde eine „Nachprüfung ausschreibungsrelevanter Aspekte bei der Vergabe der Standflächen für die großen Festzelte" beantragt, was weitreichende Folgen haben kann. Zuallererst kann die Stadt bis zu einer Entscheidung keine Veträge mit den betroffenen Wirten schließen. Die Entscheidung der Vergabekammer bei der Regierung von Oberbayern muss bis 25. Mai 2026 fallen, geplant ist ein Nachprüfungstermin am 19.05.2026. Egal wie die Entscheidung fällt, es ist davon auszugehen, dass der Verlierer Einspruch einlegen wird.
Bis zur Entscheidung der Vergabekammer darf die Stadt die Verträge mit dem Paulaner-Zelt und dem Schottenhamel-Zelt nicht abschließen. Geht die ganze Sache im Anschluß vor Gericht, kann das Gericht anordnen, dass die Vergabe weiterhin bis zu einer Entscheidung des Gerichts nicht erfolgen darf. Dabei ist kaum mit einer Entscheidung vor Beginn der Wiesn 2026 zu rechnen. Selbst die Wiesn 2027 könnte dann in Gefahr sein - Egger ist bereit, mit dem Fall bis vor den europäischen Gerichtshof zu gehen. Ob bei einem gerichtlichen Fortgang die Sperre für die Vertragsunterzeichnung aufrecht erhalten bleibt, ist allerdings offen.
Auch bei der Neuvergabe der "Schützenlisl" auf der Oidn Wiesn, die im nicht-öffentlichen Teil der ersten Sitzung des neu gewählten Sadtrats beschlossen wurde, ist Egger gescheitert, und geht nun dagegen mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht vor.
Die Vergabe der Wiesn-Zelte war schon oft Grund für intensive Auseinandersetzungen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde von der Landeshauptstadt München ein Punktesystem entwickelt, das einerseits die Tradition aufrecht erhalten soll, aber andererseits Trends wie veganes Essen aufgreift. Kritisch betrachtet wird dabei immer wieder die fehlende Transparenz, denn der Stadtrat entscheidet in nicht-öffentlicher Sitzung. Und vor der Entscheidung werden keine entscheidungsrelevanten Details bekannt gegeben. Außerdem gibt es immer wieder Kritik an der unterschiedlichen Behandlung der großen Zelte abhängig von den Besitzverhältnissen. Brauerei-Zelte sind gesetzt und die Brauereien entscheiden eigenständig über den Wirt und die Stadt nickt diese Entscheidung dann im Wesentlichen nur ab. Davon profitiert in diesem Jahr Lorenz Stiftl, der bis zum letzten Jahr die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn betrieben hatte.
Alexander Egger ist davon überzeugt, dass eine EU-weite Ausschreibung zu einem günstigeren Oktoberfest führen würde. Die Kritiker sehen vor allem erhebliche Gefahren für das Oktoberfest und den Einzug von Zelten, Bieren und Schaustellern, die nicht zur Tradition des Festes passen. Selbst wenn die Stadt im Rahmen der Ausschreibung vieles vorgeben kann, droht das Fest seinen Charakter zu verlieren. Außerdem erhöht sich mit einer EU-weiten Ausschreibung der Aufwand und damit sehr wahrscheinlich ebenfalls die Vorlaufzeiten der Wiesn, was sich am Ende auch wieder negativ auf die Preise auswirken könnte.
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