: Wie wir bereits berichteten, kam nach der Bekanntgabe des offiziellen Wiesn-Plakats der Verdacht auf, wesentliche Bestandteile des Plakats wären durch KI-Bildgeneratoren erstellt worden. Sowohl auf Reddit als auch auf Instagram gab es dazu Beiträge von anderen professionellen Gestaltern und Designern. Auf Anfrage antwortete der Veranstalter, das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München, dass die Nutzung von Künstlicher Intelligenz nicht grundsätzlich ausgeschlossen sei – nur der Einsatz von “KI-Bildgeneratoren” wäre untersagt. Eine detaillierte Überprüfung des Motivs durch ein internes Grafik-Team habe keine Anhaltspunkte für einen derartigen Einsatz ergeben. Auch hätte der Künstler Arbeitsschritte und die Bilddatei offengelegt und dabei seien keine Anhaltspunkte für die Nutzung generativer KI gefunden worden.
In einem Antrag zur Behandlung in der Vollversammlung des Münchner Stadtrats am 04.03.2026, hat der Stadtrat Dirk Höppner von der München-Liste nun gefordert, den Fall komplett neu aufzurollen um Fairness, Wettbewerbsregeln und künstlerische Integrität des Oktoberfest-Motivwettbewerbs sicherzustellen. Sein detaillierter Antrag vom 18.02.2026 greift nicht nur die Bedenken aus Fachwelt, Internet und Medien auf, sondern liefert auch konkrete Handlungsempfehlungen, um den Verdacht professionell und unabhängig zu prüfen und gegebenenfalls eine Lösung für dieses Jahr und grundsätzlich für die Zukunft herbeizuführen. In seiner Antragsbegründung geht Dirk Höppner auch auf die Bedeutung des Wettbewerbs und die Folgen ein, wenn das Motiv nicht regelkonform entstanden sein sollte.
Nachfolgend wollen wir nochmal die Punkte aufzeigen, die uns im Zuge unserer Recherchen zum Wettbewerb und zum Gewinnermotiv bekannt geworden sind, denn trotz der eindeutigen Stellungnahme des Veranstalters bleiben Zweifel: Fachleute rätseln weiterhin über Details der Abbildungen. Einschlägige Erkennungswerkzeuge, die selbst auf KI aufbauen, nennen ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Motiv in wesentlichen Bestandteilen durch Künstliche Intelligenz generiert wurde.
Künstliche Intelligenz wird immer prominenter. Insbesondere in der Erstellung von Bildern macht sie große Fortschritte – auch Videos sind mittlerweile möglich, bei denen nur kleinste Details auf ihren Ursprung hindeuten. Während noch vor wenigen Monaten die charakteristische Schwierigkeit, Hände darzustellen oder Schriftzeichen korrekt abzubilden, klare Indizien waren, haben die Anzeichen inzwischen viel unauffälligerere Formen. Zumal die potentiell kritischen Schriftelemente im Wiesn-Plakatmoiv vom Veranstalter geliefert wurden, und somit nicht Bestandteil der Motiverstellung waren.
Unsere hauseigenen Grafiker hatten Anfangs zwar nur leichte Zweifel am Motiv, nach genauerer Analyse sind jedoch einige Indizien aufgefallen, die eine Nutzung von KI-Bildgeneratoren vermuten lassen. Wir haben diese Indizien in der folgenden Grafik hervorgehoben.

Motiv: Florian Huber, Grafik: Frederic Eichinger
Im Fall des Gewinner-Motivs des Wettbewerbs um das offizielle Wiesn-Plakat 2026 stehen ebenfalls Details im Fokus. Ein Riesenrad, dessen Speichen und Gondeln verwunderliche Verformungen darbieten, oder Türme der Frauenkirche, deren Unterschiede sich nur schwer gestalterisch erklären lassen. Farbflächen, die – obwohl sie den Stil Lyonel Feiningers nachahmen sollen – an ungewöhnlichen Stellen unterbrochen sind. Eine Gesamtkomposition, die verwischt und unruhig wirkt – als wären sie ohne die führende Hand eines erfahrenen Grafikers entstanden.
Der Grafiker Florian Huber, aus dessen führender Hand sie stammen sollen, zeigt auf seiner Website einige seiner Werke. Darunter fallen besonders die Hintergrundbilder auf. Diese zeigen noch alte Muster von Künstlicher Intelligenz: Unleserliche und verschwommene Details, die Schriftzügen entsprechen sollen. Ungewöhnlichen Verformungen von Farbflächen, in etwa so, wie sie auch das neue Wiesn-Plakat zieren. Dieser Hintergrund legt ebenfalls nahe, dass der Künstler auch für dieses Plakat generierte Bilder einfließen ließ.
Auch einschlägige Erkennungs-Werkzeuge, die für ein Bild eine Bewertung abgeben, ob dieses KI-generiert wurde, unterstützen den Verdacht: ZeroGPT nennt eine Wahrscheinlichkeit von 96%, bei einem Confidence Score von "hoch", dass es sich um ein KI-Erzeugnis handelt. Eine Überprüfung mit ChatGPT gibt eine Wahrscheinlichkeit von 75-85% für die Nutzung von generativer KI aus und vermutet, dass hierfür Midjourney v5 oder v6 zum Einsatz gekommen sein könnte. ChatGPT git darüberhinaus auch Hinweise auf möglicherweise verwendete Prompts.

Auf unsere Anfrage an den Künstler hat dieser angeboten, uns eine Stellungnahme abzugeben, diese steht trotz Erinnerung noch aus.
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